01.29.08
Alltagsphänomen – Fahren in der U-Bahn…
Veröffentlicht in Alltagsphänomene tagged Dummheit, Egoismus, Mensch, Menschen, U-Bahn, Verspätung, Wartezeit, Zug um 5:00 von Edu
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Hiermit erleben sie den ersten, richtig verfassten Beitrag in diesem, ja “an die Grenzen gehenden” Web-Blog.
Geboren und aufgewachsen in Wien ist es eine Gewohnheit, allerlei Ziele mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Darunter fällt zum Großteil die U-Bahn, die im Verlauf der Jahrzente modernisiert und ausgebaut wurde. Sie bietet ein wundervoll ausgebreitetes Netz im Untergrund, welches allerlei möglichen Schlüsselstellen in Wien verbindet.
Da nun der neue Arbeitsplatz auch günstig zu erreichen ist, und zwar über die Linien U3 und U2, nutze ich dieses Angebot natürlich täglich. Die Anblicke und Vorfälle die sich täglich in den gut 30 Fahrminuten hin und zurück ereignen sind dabei so vielfältig und ausreichend, um eine Buchtriologie über die Psychologie und Verhaltenstheorie von Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln zu schreiben.
Meiner Meinung nach ist die U-Bahn der perfekte Ort, um Feldforschung zu betreiben.
Und so möchte ich 2 Ereignisse des heutigen Tages festhalten, je einmal auf der Hinfahrt gegen 9 Uhr Morgens und noch einmal auf der Rückfahrt gegen 17 Uhr Abends.
Hinfahrt – 8:25 – Unterwegs in der Linie U3 Richtung Ottakring:Ich habe mir leider nicht eingeprägt welche Station es war, aber bot sich natürlich genau in der Nähe des Einstiegs, bei dem ich mich gemütlich hinplatzierte, dieser Vorfall. Jedem “Wiener” oder gar auch “Tourist” der einmal Wien besucht hat, sind deshalb die Worte “Zug fährt ab”, welche mittlerweile klar verständlich von einer Tonansage laut mitgeteilt werden, bekannt.
Auch diesmal war die Ansage schön zu hören. Und genau in dem Zeitpunkt entschloss sich eine Dame, noch einige Meter entfernt, in den Laufschritt zu verfallen um doch den Zug zu erreichen. Die Türen schlossen sich, und mit einer anscheinend kühn kalkulierten Präzision von wenigen Zentimetern schoss diese Dame durch in den Innenraum der Garnitur. Ein kurzes, erleichtertes Stöhnen und verschmitztes Grinsen, setzte sie sich auf den nächsten freien Platz.
Das Kopfschütteln meinerseits war wohl Reflexartig, fiel mir doch folgende Durchsage aus einer Station ein, welche in letzter Zeit leider immer öfters wiederholt werden muss:
“Nach Abfertigung des Zuges mit den Worten – Zug fährt ab – ist das Ein- und Aussteigen aus Sicherheitsgründen verboten!”
Mein gesunder “Hausverstand” klopfte an die Innenseite meiner Stirn und fragte mich – was genau hat diese Dame wohl an diesem Satz nicht verstanden?
Nicht dass diese Dame das erste menschliche Wesen wäre, das so ein Wagniss riskierte… ließe sich das doch unendlich fortsetzen.
Jugendliche Mädchen die in den Zug springen als die Türen sich schließen, mit ihren Taschen hängen bleiben und diese mit letzter Kraft gerade noch in den fahrenden Zug ziehen können – nur um danach dämlich kichernd in einen Sitzplatz zu fallen und darüber zu reden, wie sie gerade ihr Leben riskierten um Tapfer zum nächsten Studententreffen zu eilen, hätten sie jetzt doch mal etwas Interessantes zu berichten.
Wagemutig reinstürmende Männer die, sogar einmal zur Körperhälfte, in den Türen eingeklemmt werden und fast in den Tunnel geschleift werden, würden sie sich nicht unter aller Anstrengung und gemeinem Grunzen durch die Türen quetschen, nur um danach mit einem Gesichtsausdruck in die Sitzreihen zu fallen der etwa dem einer Gazelle entspricht, welche knapp einem hungrigen Löwen entkommen konnte.
Und dieses gesamte Risiko bei einer Zeitanzeige der nächsten U-Bahn-Garnitur von Sage und Schreibe – 2 Minuten !!
Rückfahrt – 16:55 – Unterwegs in der Linie U3 Richtung Simmering:
Da stand ich nun, wartend auf meine Garnitur in der Station Volkstheater, um endlich nach Hause zu kommen. Der Tag war anstrengend, was freue ich mich auf die gemütliche Couch und meinen Fernseher, oder ein gutes Buch und leckeres Joghurt! Klar dass man da nicht widerstehen kann und so flott wie möglich den Arbeitsweg hinter sich bringen will.
Aber deshalb völlig auf die eigene Sicherheit, die Vernunft, die Moral, ja auf jedwede Regel verzichten?
So kam es heute dazu, dass die Garnitur Verspätung hatte, und das nicht zu knapp. Die Station füllt sich, und schon ereilt mich der Gedanke… Auweia, das wird wieder ein Gedränge. In weiser Voraussicht trete ich einige Schritte zurück, sehe ich doch auf der Zeitanzeite dass der Folgezug der verspäteten Garnitur auf den Fersen ist. Na, kein Problem.
Der verspätete Zug fährt ein, schon Rammelvoll mit, warum auch immer, gestressten Leuten und ermüdeten Gesichtern. Und das Gedränge beginnt.
Ist es heutzutage wohl schon ein Fremdwort die aussteigenden Leute nicht zu behindern, drängen sich danach die Massen wie wildgewordene Kühe, welche zur Schlachtung getrieben werden, in den Zug.
Und ich konnte nicht glauben, an wievieln Einstiegen die Leute sich anstellten und auf Einlass warteten in die bereits vollgestopfte Garnitur. Ein Nachgeben kam für Viele wohl nicht in Frage. Und so verharrte der Zug einige Momente. Noch immer kam keiner der einstiegenden Individuen auf den Gedanken, doch den Folgezug zu nutzen welcher in 1 Minute lt. Anzeige eintrudeln wird. Warum auch, diese Minute könnte wohl Leben kosten !!
Als schließlich die Durchsage ertönte – Bitte benutzen sie auch den Folgezug welcher in Kürze eintreffen wird - gaben einige der Schlachtkühe – pardon, Menschen -nach und gesellten sich zu meiner Position, jedoch ungeduldig wartend und nervös den Kopf drehend. Die ganz Gebildeten schafften es noch, sich an ihre Mitmenschen zu kuscheln und dem Begriff “klimatisierte U-Bahn” einen neuen Sinn zu geben.
Als die U-Bahn sich entfernte konnte man bereits die zweite Garnitur herannahen hören, die auf das Freisignal wartete. Und schon rollte sie an – natürlich fast leer und darauf wartend, neue Fahrgäste aufzunehmen. Gemütlich stieg ich ein, bekam einen Sitzplatz ganz für mich alleine und genoss die Fahrt, welche sich sehr einsam gestaltete.
Und da drängte sich mir die Frage auf, wieviel vollschlanke Personen in dem voran gegangenen Zug wohl noch Platz finden mochten…
Das alles nur wegen – ich bitte dies wirklich zu beachten – 1 Minute mehr Wartezeit
Liebe Leser, liebe Leserinnen, für mich waren diese 2 Geschehnisse die sich mittlerweile täglich wiederholen, erschreckend mit an zu sehen.
Vielleicht können Sie mir dabei helfen, dies zu ergründen?
Gibt es jemand unter ihnen, der ohne Rücksicht auf die eigene Sicherheit oder die seiner Fahrgäste in einen abgefertigten Zug springt?
Ist hier jemand unter der Leserschaft, der wegen 2 Minuten einen Aufstand macht wie ein Kleinkind, das seinen Schnuller ausgespuckt hat?
Ich bitte mir die sicherlich interessanten und tiefgreifenden Begründen per Kommentar mitzuteilen!
Ihr treu ergebener – Homoidioticus